Unbeugsamer Pionier: Fritz Bauer

Lars Kraumes "Der Staat gegen Fritz Bauer"

Allein auf weiter Flur kämpfte der hessische Generalbundesanwalt Fritz Bauer in den 50er Jahren einen unbeugsamen Kampf wider das Vergessen – zu einer Zeit, als das postfaschistische Deutschland seine Kollektivschuld noch durch Nierentisch-Behaglichkeit und Wirtschaftswunder-Gebaren (Wir sind wieder wer!) zu verdrängen suchte. Gegen eine ungeheure Renitenz – auch aus der eigenen Behörde – initiierte Bauer über die Frankfurter Auschwitz-Prozesse einen erinnerungspolitischen Paradigmenwechsel. Weniger bekannt ist, dass er auch bei der Ergreifung Adolf Eichmanns durch den Mossad eine maßgebliche Rolle spielte. Lars Kraumes Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ erzählt dramaturgisch stringent von eben jenen beruflichen und privaten Anstrengungen, die Bauer unternahm, um den in Argentinien untergetauchten Spediteur der Massenvernichtung vor Gericht zu stellen.

Stilsicher beschreibt Kraumes Film das muffige Klima in der frühen Bundesrepublik, deren Macht-Schaltstellen noch allenthalben von gestandenen Faschisten durchseucht waren. „Der Staat gegen Fritz Bauer“ ist dabei großes Schaupielerkino: Der unermüdliche Ernst, die Schrullen, der subtil-ironische Panzer, mit dem der deutsch-jüdische Jurist den Anfeindungen und Todesdrohungen trotzte – Burghart Klaußner hat sich Fritz Bauer auf beeindruckende Weise anverwandelt. Alles in allem erzählt Lars Kraume hier ein spannendes Stück Nachkriegsgeschichte, das einem der größten deutschen Juristen aller Zeiten ein würdevolles Denkmal bereitet.

Christoph David Piorkowski

„Der Staat gegen Fritz Bauer“ – Deutschland 2015; Regie: Lars Kraume; Darsteller: Burghart Klaußner, Ronald Zehrfeld, Sebastian Blomberg; Länge: 105 Minuten; Kinostart: 1.10.2015.

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