The Gift: Schatten der Vergangenheit

Joel Edgertons subtiler Psychothriller

Simon ist mit seiner Frau Robyn für einen Neuanfang nach Kalifornien gezogen. Bei einem Bummel im Einkaufscenter trifft das Ehepaar Simons früheren Klassenkameraden Gordo, einen verdrucksten, aber harmlos wirkenden Eigenbrötler. Eine dieser unverhofften Begegnungen, so scheint es, die eine längst überholte Lebensphase momenthaft in die Gegenwart holt; die bloß deshalb angespannt wirkt, weil man sich nichts zu sagen hat, sich der Höflichkeit halber jedoch mit überflüssigem Small-Talk beplänkelt. Und so vergessen die beiden den halbfremden Kauz und gehen zur Tagesordnung über.

Simon konzentriert sich auf seinen neuen Job, Robyn macht sich an die Einrichtung des jüngst erworbenen Einfamilienhauses. Doch dann stehen von einem Tag auf den anderen Geschenke vor der Tür, der Klassenkamerad taucht unangekündigt im Vorgarten auf. Die Vergangenheit legt sich wie Mehltau auf das alltägliche Leben. Robyn begegnet der verlorenen Seele zunächst ausnehmend freundlich, gerät ob deren Hartnäckigkeit jedoch zunehmend in Sorge. Simon fährt von Beginn an einen Kurs konsequenter Ablehnung und Robyn gewahrt, dass sie nicht über jede Episode im Leben ihres Mannes hinreichend Bescheid weiß.

Joel Edgertons Psychothriller „The Gift“ bewirkt beim Zuschauer auf suggestive Weise, ohne große Effekthascherei, ein sich verstetigendes Unbehagen. Durch das Motiv des ungebetenen Gastes, den man nicht mehr los wird und dessen Verhalten sich vom Harmlosen ins Unerbittliche wendet, erinnert der Film in seinen besseren Momenten an Michael Hanekes Meisterwerk „Funny Games“. Im Mittelteil wird die Spannung ein wenig zurückgenommen, fast avanciert „The Gift“ zum reinen Beziehungsfilm. Das retardierende Moment ist jedoch keine Nachlässigkeit des Regisseurs, sondern reines Kalkül und lässt die selten grausame Pointe umso nachhaltiger im Kopf des Zuschauers aufgehen.

Christoph David Piorkowski

„The Gift“ – USA 2015; Regie: Joel Edgerton; Darsteller: Jason Bateman, Rebecca Hall, Joel Edgerton; Länge: 108 Minuten; Kinostart: 26.11.2015.

Kinos und Spielzeiten entnehmen Sie bitte dem Veranstaltungsplan.