Die Veranstaltungsreihe „Weitwinkel – Globale Sammlungsperspektiven“ findet in der James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel statt. Ansicht des Haupteingangs; Foto: © Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects

Weitwinkel – Globale Sammlungsperspektiven

Interdisziplinäre Veranstaltungsreihe am 23. und 26.11. in der James-Simon-Galerie

„Weitwinkel – Globale Sammlungsperspektiven“ ist eine interdisziplinäre Veranstaltungsreihe, die sich in Anlehnung an aktuelle Ausstellungen, Forschungsprojekte und Kooperationen der Staatlichen Museen zu Berlin mit transkulturellen Themen und gesellschaftsrelevanten Fragestellungen beschäftigt.

Wie sind die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin entstanden und welche Bedeutung haben sie heute in einem globalen Zusammenhang? Wie wird mit Erwerbungen aus der Kolonialzeit umgegangen? Welche kulturübergreifenden Verbindungen und Geschichten verbergen sich hinter den Objekten? Und welche Aufgaben haben Museen in der heutigen Zeit? Anhand von Vorträgen, Podiumsgesprächen und Werkstattberichten befassen sich KollegInnen aus den einzelnen Sammlungen sowie internationale ReferentInnen mit diesen Fragen und bieten vielfältige Einblicke in ihre Arbeit.


Termine (jeweils um 18 Uhr):

Am 23.11.: Museen und die Islamdebatte – wie politisch sind Kulturinstitutionen? (Dauer: ca. 90 Minuten)

Seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt die Frage, wie eine diverse, durch Migration geprägte Gesellschaft gestaltet werden kann, die innenpolitische Debatte. Besonders im Fokus stehen dabei Muslime. Mehr und mehr scheinen sich die Fronten zu verhärten und diejenigen, die Ängste vor „dem Islam“ schüren, gewinnen an Macht – die jüngsten Wahlergebnisse liefern darüber Zeugnis ab. Museen und Sammlungen islamischer Kunst stehen daher vor der Frage, wie politisch sie in der heutigen Situation sein müssen. Inwieweit fällt ihnen die Aufgabe zu, gesellschaftlichen Wandel mit einer klaren Haltung mitzugestalten? Wie können sie aus ihren Sammlungen heraus Inhalte entwickeln, die Antworten auf die Fragen einer sich wandelnden Gesellschaft geben? Welche Formate eignen sich dafür? Und wie können sie der Gefahr entgegnen, nicht für die muslimische Minderheit zu sprechen, sondern dieser eine Stimme zu geben?

Podiumsgespräch in englischer Sprache mit Massumeh Farhad (Arthur M. Sackler Gallery and Freer Gallery of Art, Washington), Lamya Kaddor (Universität Duisburg-Essen), Yannick Linz (Louvre Museum, Paris) und Stefan Weber (Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin), Moderation: Reinhard Fischer (Berliner Landeszentrale für politische Bildung)

Am 26.11.: Tansania/Deutschland: Geteilte Objektgeschichten? (Dauer: ca. 60 Minuten)

Was macht (postkoloniale) Provenienzforschung in sogenannten ethnologischen Sammlungen aus? Im Forschungsprojekt „Tansania/Deutschland: Geteilte Objektgeschichten?“ am Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin wird u.a. dieser Fragestellung nachgegangen. Ausgangspunkt bilden ausgewählte Objekte und Objektgruppen der mehr als 10.200 Objekte umfassenden Sammlungen aus dem heute festländischen Tansania. Deren größter Teil gelangte während der gewaltförmigen deutschen kolonialen Expansion und Herrschaft in Ostafrika nach Berlin. Die Prozesse der Aneignung waren so komplex wie die koloniale Situation selbst. Im Werkstattbericht werden die im Projekt erprobten kooperativen Formate mit tansanischen WissenschaftlerInnen, ExpertInnen und KünstlerInnen beleuchtet, Ergebnisse der Recherchen in Form objektbiografischer Fragmente vorgestellt und sich folgender Fragen gewidmet: Wie können wir mit den kolonialen Archiven als Quellen arbeiten und diese gegen den Strich lesen? Inwiefern läuft auch eine kooperativ angedachte Provenienzforschung Gefahr, zum Teil kolonial begründete Imaginationen und Wissensordnungen zu reproduzieren – gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte über Restitution, Provenienzforschung und Kooperation mit sogenannten Herkunftsgesellschaften?

Werkstattbericht in deutscher Sprache mit Kristin Weber-Sinn (Ethnologisches Museum – Staatliche Museen zu Berlin)


Weitere Informationen finden Sie hier.

Veranstaltungsdaten:
23.11.2019 - 26.11.2019
18:00

Bodestraße
10178 Berlin [ Mitte ]

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Beschreibung

S/U Friedrichstraße