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Rainhard Fendrich – Besser wird’s nicht

Wintergarten Berlin

Der Titel der neuen CD des österreichischen Liedermachers Rainhard Fendrich lässt aufhorchen und wirft möglicherweise die Frage auf, ob der Künstler unter einem gewissen Erschöpfungszustand leidet? Das Gegenteil ist der Fall. Rainhard Fendrich ist wacher, kritischer und neugieriger denn je. Der Titel seiner neuen CD ist daher kein Hinweis auf das Ende seines Schaffens oder die Qualität seiner Lieder, sondern vielmehr ein Reflektieren auf die allgemeinen Umstände des Lebens.

Er thematisiert den Umgang mit der Wirtschaftskrise, unserer Welt und der Natur, die Nachhaltigkeit, die Vergänglichkeit und Austauschbarkeit. Erstmalig zeichnet Fendrich auch als Produzent verantwortlich und hat wunderbar eingängige Melodien in Arrangements gebettet, die im Gedächtnis hängen bleiben. Die musikalische Bandbreite spannt den Bogen von Pop, Country über Swing bis Bossa Nova, aber ebenso hin zu symphonischen Elementen. Die messerscharfe Ironie seiner Texte ist eine weitere Facette dieses Albums – so denkt Fendrich darüber nach, woher plötzlich die vielen Milliardäre im „Club der Milliardäre“ kommen, während die Armen immer ärmer werden? Seine Betrachtung des Reality-Fernsehens trifft des Pudels Kern: Hoch lebe die „Doku-Soap“, die das Leben der anderen vorführt, damit der geneigte Zuschauer nicht über das eigene Dasein nachdenken muss, und sich anschließend „Wie Gott im Werbespot“ fühlen kann, wenn ihm die Werbung eine heile Welt ohne Gefahren vorführt, sauber und harmonisch. Sollte das für das Glück auf Erden noch nicht reichen, hat Frau schließlich noch die Möglichkeit, einen reichen Mann zu heiraten: Leider muss Frau ihn sich dann häufig „Schön shoppen“. Fendrich stellt sich hier die Frage, ob die Liebe nicht mehr durch den Magen geht, sondern über den Geldbeutel?

Rainhard Fendrich beherrscht das Wort meisterhaft. Er wechselt spielerisch von der Ironie in die Satire und schildert grotesk reale Situationen. Fendrich macht sich aber ebenso seine Gedanken über häusliche Gewalt „Hinter verschlossenen Türen“, Fremdenhass und das Wegschauen wo Mut und Zivilcourage gefragt wären! Muss man wirklich über solche Themen singen? Ja, ein Liedermacher darf das – ein Liedermacher muss das! Es sind die Themen unserer Zeit, eine Zeit, die hochkomplex und kompliziert ist. Mit dem Titelsong „Besser wird’s nicht“ legt Fendrich den Finger in offene Wunden. Was ist gut daran, wenn umweltfreundliche Autos in Massen produziert werden und gleichzeitig den Menschen die Luft zum atmen fehlt? Das Leben wird nicht besser, wenn Finanzmärkte über die Gesellschaft befinden, und die Politik keine freien Entscheidungen zum Wohle der Menschen treffen kann. Besser wird es auch nicht, solange greise Politik-Ikonen ihre Weisheiten in Talkshows kundtun.Rainhard Fendrich glaubt, dass vieles, was heute zum Himmel stinkt, gerade auf deren Mist gewachsen ist! Je älter der Liedermacher wird, desto kompromissloser wird er – und das spiegelt sich in seinen Liedern wider.

Veranstaltungsdaten:
29.04.2014
20:00

Potsdamer Straße 96
10785 Berlin [ Tiergarten ]

Telefon

  • (030) 58 84 33

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