Foto: Janna Athena Pinsker

Nicht von hier irgendwo

Recherchestück über Displaced Persons nach 1945 im Heimathafen Neukölln

Es handelt sich um eine Zeit der Widersprüche und des Dazwischen, die ersten Jahre nach der Shoah, als sich viele der jüdischen Überlebenden ausgerechnet in Deutschland, zumeist in der amerikanischen Besatzungszone, wiederfanden. Erstmals nach Jahren wurde ihr Handeln nicht durch Verfolgung, Zwangsarbeit oder KZ bestimmt, sondern sie hatten die Möglichkeit, wieder selbst ihr Leben zu entwerfen.

An diesem Nicht-Ort Deutschland und mittellos bis auf ihre Erfahrungen, Bildung und Kenntnisse lebten viele der jüdischen Displaced Persons nun wie Flüchtlinge. Sie waren vor den Deutschen gerettet, aber noch nicht in ein neues Leben entkommen. Ihre Lebenssituationen und die kontingenten, unvorhersehbaren und zufälligen Möglichkeiten, Begegnungen und Bedingungen, die diese bestimmten, stehen im Fokus einer szenischen Auseinandersetzung mit diesem meist vergessenen Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Der Alltag war geprägt durch die Suche nach einem „Loch im Zaun“. Strukturen des Aufschubs und des Wartens wurden bestimmend, während das Leben irgendwie weiterlief und Verbindungen, Entscheidungen, Verpflichtungen schuf zwischen Bürokratie und Hoffnung: Gemeinschaften im Aufschub. All dies spiegelt sich in den Erinnerungen von Überlebenden der Shoah, die aus den KZs kamen, sowie denen der großen Gruppe osteuropäischer Jüdinnen und Juden, die rechtzeitig in die Sowjetunion fliehen konnten und dort überlebt hatten. Für alle führte der Weg in ein neues Leben absurderweise über Deutschland. Hier entstand in den Displaced Persons Camps noch einmal für einen kurzen Moment eine ostjüdische Kultur, welche von Deutschen in den Jahren zuvor zerstört worden war.

Gedichte und Erzählungen der jiddischen Literatur aus den DP-Camps bilden neben den in verschiedenen Archiven schriftlich und videografisch aufgezeichneten Erinnerungen von Displaced Persons eine Materialgrundlage der Aufführung. Aus den aufgezeichneten und den neu erzählten Erinnerungen, aus jiddischen Texten sowie Bildern und Videoaufnahmen entsteht das bruchstückhafte Mosaik von Lebenssituationen des Dazwischen.

 


Spieltermine: 11. und 12.1., 1. und 2.2.

Tickets gibt es beim Heimathafen. Weitere Informationen unter: www.futur-ii-konjunktiv.de

Veranstaltungsdaten:
11.01.2019 - 02.02.2019
19:30

Karl-Marx-Straße 141
12043 Berlin [ Neukölln ]

Telefon

  • (030) 56 82 13 33

Webseite

Beschreibung

U Karl-Marx-Straße
Bus: 104

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