Evelyn Herlitzius; © Agentur Evelyn Herlitzius; © Agentur

Lady Macbeth von Mzensk in der Deutschen Oper

Der Fall des Komponisten Dmitrij Schostakowitsch war tief: Bis zum 26.1.1936 war der 30-Jährige ein unbestrittener Star in der jungen sowjetischen Musikszene. Schon kurze Zeit später wurde aus dem Gefeierten ein Gejagter – und ein Mensch, der sein Leben lang von Furcht und Verbitterung geprägt blieb. Denn in jenem Januar des Jahres 1936 besuchte Josef Stalin das Moskauer Bolschoi-Theater, umsich selbst ein Bild von diesem bis dahin größten Opernerfolg in der jungen UdSSR zu machen.

Die Wiedergeburt eines Meisterwerks
Dmitrij Schostakowitschs Oper ‘Lady Macbeth von Mzensk’ wurde nach ihrer Uraufführung 1934 im In- und Ausland ein grandioser Erfolg. Was Stalin sah und hörte, gefiel ihm jedoch ganz und gar nicht. Das Verdammungsurteil, das zwei Tage später in der Prawda unter dem Titel ‘Chaos statt Musik’ erschien, bedeutete für den Komponisten nichts Geringeres als die Gefahr, verhaftet und ermordet zu werden – nicht anders als zigtausende andere russische Künstler und Intellektuelle, die in dieser Zeit dem Stalin-Regime zum Opfer fielen. Dmitrij Schostakowitsch kam mit dem Leben davon, doch der Verriss hatte katastrophale Wirkung. Die Aufführungen von ’Lady Macbeth’wurden gestoppt, und das Werk verschwand zunächst einmal von allen Bühnen. Viele Jahre später überarbeitete Schostakowitsch seine Oper zu einer ‘entschärften’ Fassung, die 1963 unter dem Titel ‘Katerina Ismailowa’ uraufgeführt wurde, den Erfolg des ursprünglichen Werks aber nicht wiederholen konnte. ihrer mitleidlosen Umgebung und des unausgefüllten Daseins einer Kaufmannsfrau in der russischen Provinz. In einer Neuinszenierung von Ole Anders Tandberg hat das Werk am 25. Januar Premiere. Der Norweger, einer der profiliertesten Opern- und Theaterregisseure von Skandinavien, verlegt den Spielort mit eindrucksvollen Bildern in eine Gegend, die ebenso trist ist wie die russische Provinz. Das raue Leben im Norden Norwegens bietet die suggestiv alptraumhafte Szenerie für Katerinas Schicksal.

Donald Runnicles leitet die Neuinszenierung
Für die Koproduktion mit der Norske Opera Oslo hat die Deutsche Oper Berlin zwei der bedeutendsten Sängerdarsteller unserer Zeit gewinnen können. Evelyn Herlitzius wird die Titelpartie interpretieren, und in der Rolle von Katerinas Schwiegervater kehrt der englische Bass Sir John Tomlinson nach Berlin zurück. Dmitrij Schostakowitschs ‘Lady Macbeth von Mzensk’ ist ein besonderes Herzensanliegen von Generalmusikdirektor Donald Runnicles. Öfter als jedes andere Werk hat er diese Oper im Laufe seiner Karriere dirigiert. Die ‘Lady’ hat ihn von seinen Anfängen am Freiburger Theater über San Francisco und Wien bis jetzt an die Deutsche Oper Berlin begleitet.

Vom freudlosen Dasein einer Kaufmannsfrau
Der Erfolg stellte sich erst wieder ein, als die Urfassung Ende der siebziger Jahre von dem berühmten Cellisten und Dirigenten Mstislaw Rostropowitsch präsentiert wurde. Von da an wurde Schostakowitschs ‘Lady Macbeth’ als eines der Meisterwerke der Opernliteratur des 20. Jahrhunderts erkannt. Dabei dürften dem Diktator Stalin gerade jene Dinge missfallen haben, die die besondere Qualität dieser Oper ausmachen: einerseits der unverkennbar an der Schnitttechnik des Stummfilms geschulte Montagecharakter, der die Musik häufig vom Lyrischen ins Brutal-Realistische oder auch ins Grotesk-Überdrehte kippen lässt. Andererseits aber auch das unverhohlene Verständnis, das der Komponist für seine Hauptfigur Katerina aufbringt: Obwohl die Kaufmannsfrau zuerst ihren Schwiegervater und dann ihren Gatten mordet, um ihr Lebensglück mit dem Arbeiter Sergej zu verwirklichen, wird sie von Dmitrij Schostakowitsch nicht als ein böser Mensch gezeichnet. Seine Katerina ist eher das Opfer

Veranstaltungsdaten:
25.12.2014 - 15.01.2015
0:00

Bismarckstraße 35
10627 Berlin [ Charlottenburg ]

Telefon

  • Karten: (030) 343 84 343

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