Lotte Laserstein: „Madeleine und Frau mit Zigarette“ (Ausschnitt), o.J. ( frühe 40er Jahre), Kohle auf Papier, 48,5 x 63,8 cm, Foto: Courtesy of Salongalerie Die Möwe

Klasse Damen!

Aktuelle und historische Positionen bis 13.10. im Schloss Biesdorf

Ab März 1919 durften Frauen an der Königlichen Kunstakademie in Berlin studieren. Bis dahin waren sie auf Privatlehrer, überteuerte „Damenklassen“ oder Kunstgewerbeschulen angewiesen. Ihre Wege zeigen einen hoffnungsvollen Anfang vor oder während der Weimarer Republik: Aufgewachsen in der Kaiserzeit erlebten sie eine dynamische gesellschaftliche Entwicklung, die in der Erlangung des Wahlrechts für Frauen kulminiert.

Endlich war auch die Kunstakademie für Frauen zugänglich und so eine Professionalisierung als Künstlerin – nicht mehr nur Kunsthandwerkerin – möglich. Doch die Hoffnung auf eine berufliche Etablierung und breite institutionelle Anerkennung brach mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten zusammen. Viele der Künstlerinnen erlebten nun Ausgrenzung und Flucht; ihr OEuvre wird zerstreut, ausgebombt und nach dem Krieg vergessen.

Die wenigen musealisierten Werke liegen heute in Archiven und Depots – viele davon in Berlin. Eine wissenschaftliche Aufarbeitung und umfassende Retrospektiven fehlen. Nur sehr wenige wie Hannah Höch, Renée Sintenis, Jeanne Mammen und jüngst Lotte Laserstein haben den Weg in die Sichtbarkeit geschafft. Die Künstlerinnen, die für „Klasse Damen!“ ausgewählt wurden, zeigen in ihren Landschaften, Porträts und Alltagsbildern eine große Stildivergenz. Sie gehören in das Umfeld von Sezession und Novembergruppe und öffnen sich ersten Formen der Abstraktion.

Um die Sichtbarkeit von Frauen im Kunstbetrieb heute geht es auch den zeitgenössischen Künstlerinnen von „Klasse Damen!“. Sie erarbeiten orts- und ausstellungsbezogen Werke, die den heutigen Kunstbetrieb – seine Ausstellungspraxis und Förderstrukturen, sein Wertesystem und Geschlechterfragen – kritisch reflektieren. Auch heute zieht Kunst von Frauen nur zögerlich in die öffentlichen Ausstellungshäuser und Schausammlungen ein und die staatliche Förderpraxis scheint eher traditionellen Denkmustern verhaftet zu sein, als geschlechtergerecht zu handeln.


Der Eintritt ist frei. Geöffnet: Mo., Mi., Do., Sbd. und So. 10-18, Fr. 12-21 Uhr.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Veranstaltungsdaten:
17.06.2019 - 13.10.2019

Alt-Biesdorf 55
12683 Berlin [ Marzahn ]

Telefon

  • (030) 5 16 56 77 90

Webseite

Beschreibung

S Biesdorf
U Elsterwerdaer Platz
Busse: X 69, 108, 154, 190, 192

» Route auf Google Maps anzeigen