Zum 20. Jubiläum der Europäischen Kulturtage steht im MEK Kulinarisches im Vordergrund. © Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / Christian Krug

Europa à la carte. Essen verbindet

20. Europäische Kulturtage vom 1.8. bis 1.9. im MEK

Regelmäßig im Sommer veranstaltet das Museum Europäischer Kulturen (MEK) die Europäischen Kulturtage. Das Format stellt jährlich ein anderes europäisches Land, eine Region, Stadt oder eine Kulturerbegemeinschaft anhand von Vorträgen, Filmen, Musik, Lesungen und Performances vor. Zum 20. Jubiläum des MEK im Jahr 2019 steht nun erstmals ein transkulturelles Thema im Vordergrund: „Europa à la carte. Essen verbindet“.

Essen und Trinken betrifft uns alle: Es befriedigt Grundbedürfnisse, ist aber darüber hinaus Kultur, Erlebnis und Genuss. In Zeiten hoher Mobilität nehmen wir immer mehr verschiedene regionale, internationale und transnationale Einflüsse auf. Die kulinarische Migration ist ein wichtiger Bestandteil heutiger Lebensstile. Aus einer kulturanthropologischen und soziologischen Perspektive beleuchten die diesjährigen Europäischen Kulturtage das Thema „Kulinarik in Europa“ in seinen identitätsstiftenden und transkulturellen Facetten.

In Vorträgen und Gesprächsrunden werden Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Ernährung in Europa beleuchtet sowie von Pirogge bis Rentierfleisch Eigenheiten und Klischees unter die Lupe genommen. Auch der kulinarische Genuss kommt dabei nicht zu kurz: Die diesjährigen Kulturtage entstehen in Zusammenarbeit mit zahlreichen Kooperationspartnern der bisherigen Kulturtage, die samische, apulische, sardische, georgische, friesische sowie thessalonische Spezialitäten anbieten und darüber informieren. Musikalische Aufführungen, Filme und Lesungen zum Thema runden das Programm ab.

Programm:
1.8., 18 Uhr: Vernissage mit Liedern zum Thema
Vernissage der Europäischen Kulturtage mit Liedern von Rachelina & die Maccheronies und Norma mit Lukas Schick. Griechisches Fingerfood von Gregory’s, original georgische Küche und apulische Spezialitäten von La Galante, Getränke der Regionen von kultur.

4.8., 15.30 Uhr: Lesung mit Musik und Wein
„Gebratener Specht im Erdloch (mit Champagnerbrand und Kreuzotterschaum abgeschmeckt). Vom Essen und Trinken allein und in Geselligkeit“. Mit musikalischer Begleitung von Manfred Eisner, Harry Ermer (Klavier, Chromonica) und Rolf Römer (Saxophon, Bassklarinette) sowie Texten und Tönen von Ror Wolf, Joachim Ringelnatz, Robert Gernhardt, Francois Villon, Bertolt Brecht, Salli Sallmann, Manfred Eisner, Rolf Römer, Joe Zawinul, Henry Mancini, Friedrich Hollaender, Trude Herr u.a. Um 15 Uhr gibt es eine Kurzführung in der Sammlungspräsentation „Kulturkontakte. Leben in Europa“ zum Thema „kulinarische Migration“.

6.8., 18 Uhr. Film im MEK: Babettes Fest (Gabriel Axel, DK, 1987)
Um 1870 leben in einem kargen norddänischen Fischerdorf die beiden strenggläubigen Schwestern Martine und Filippa – allein, denn ihre Verehrer weisen sie aus Glaubensgründen ab. Stattdessen nehmen sie eines Tages die französische Köchin Babette in ihrem Haus auf. Opulentes Gesellschaftsdrama über das Wirken einer großen Pariser Köchin im protestantischen Exil. Einführung und Gespräch in Kooperation mit Hellas Filmbox.

8.8., 18 Uhr: Vortrag: Regionale Küchen – Soziologisches zur Wiederentdeckung der exotischen Heimat
Wir leben in einer globalisierten Welt. Unsere Nahrungsmittel kommen aus allen Ecken der Welt. Doch es gibt auch gegenläufige Trends: Auf einmal werden Früchte, Pilze und Gemüsesorten aus der heimischen Nahwelt wiederentdeckt und von einer neuen Generation „Foodies“ aufgewertet. Die sich darin spiegelnden soziokulturellen Strukturen und Prozesse beleuchtet der Soziologe Daniel Kofahl.

11.8., 15 Uhr: Satt und glücklich. Eine Lange Tafel
Wie aus Armeleuteessen Spezialitäten werden können, wird an mehreren internationalen Beispielen vorgestellt. Überlieferte Rezepte zeigen, auf welche Lebensmittel man zurückgreifen muss, wenn die Zeiten schlecht sind. Solche regionaltypischen Speisen, zu touristischen Marken stilisiert, können Sie verkosten. In Zusammenarbeit mit dem Restaurant kultur. Anmeldung erforderlich unter 83 01 429 (Eintritt: € 15,-).

13.8., 18 Uhr: Film im MEK: Taste the Waste (Valentin Thurn, D, 2011)
50 Prozent aller Lebensmittel werden weggeworfen. Wer macht aus Essen Müll? Und welche Folgen hat das? Der Film findet Antworten bei Bauern, Supermarkt-Direktoren, Müllarbeitern und Köchen weltweit. Und er findet Menschen, die Alternativen entwickelt haben. Einführung und Gespräch in Kooperation mit Hellas Filmbox.

15.8., 18 Uhr: Vortrag: Ernährung. Gestern-Heute-Morgen
Die gemeinsame Mahlzeit gilt als einer der wichtigsten Eckpfeiler einer sozialen Gemeinschaft. Unsere Esskultur bestimmt große Teile unserer Gesellschaft und ist Ausdruck unserer Identität. Dabei ist sie einem ständigen Wandel unterworfen. Die Ernährungswissenschaftlerin Eva-Maria Endres beantwortet die Fragen, was unsere Esskultur beeinflusst und welche Zukunftstrends auf uns zukommen.

18.8., 13.30 Uhr: Exkursion, Markt und Gespräch: Back to the roots – zurück zu den Rüben?
Wie werden wir uns in Zukunft ernähren? Vorschläge reichen von einem nachhaltigeren Umgang mit der Umwelt über die Erschließung neuer Nahrungsmittel bis hin zu technologischen Lösungen wie Fleisch aus dem Reagenzglas. Um 13.30 Uhr laden wir Sie ein, bei einer Exkursion zur Domäne Dahlem essbare Kräuter kennenzulernen (Treffpunkt für die Exkursion: MEK Foyer, Eintritt: € 12,-, erm. € 8,-). An Marktständen können Sie sich ab 15 Uhr informieren, Produkte kosten und Lebensmittel kaufen. Um 16 Uhr diskutieren der Koch Patrick Wodni, die Aktivistin und Bloggerin Sophia Hoffmann, Dr. Nina Wolff aus dem Vorstand von Slowfood Deutschland e.V. sowie die Geschäftsführerin von TopFarmers, Anne-Kathrin Kuhlemann, zum Thema „Ernährung der Zukunft: zurück zu den Rüben?“.

20.8.8., 18 Uhr. Film im MEK: True Blue (Harris Raftogiannis, GR, 2016) und Noma (Pierre Deschamps, DK, 2015)
Die griechische Insel Ikaria ist dafür bekannt, dass ihre Bewohner sehr alt werden, gar „vergessen zu sterben“. Der Dokumentarkurzfilm „True Blue“ begleitet das ältere griechisch-amerikanische Ehepaar Stamatis und Girly
dabei, wie sie mit Freude an gutem Essen und Trinken ihr Leben genießen. Danach folgt „Noma“, eine Reise durch das einzigartige kulinarische Universum von René Redzepi, dessen Kopenhagener Restaurant Noma in den letzten Jahren mehrfach zum Besten der Welt gekürt wurde. Im Anschluss gibt es ein Gespräch mit Harris Raftogiannis, dem Regisseur von „True Blue“.

22.8., 18 Uhr: Vortrag: Das kulinarische Migrations-Paradox. Warum die Pizza weiter herumgekommen ist als die Pirogge
Die Geschichte der Ernährung ist eine Geschichte der Migration: Innovationen entstanden vor allem dort, wo sich Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen getroffen haben. Seit der Wende zum 21. Jahrhundert hat es aber den Anschein, als würde eine breite Komplexitätsreduktion ablaufen: Pirogge, Ravioli oder Frühlingsrolle sind in der Defensive, während die strukturell ähnliche Pizza zum global food avancierte. Ist das Zufall, Kulturimperialismus oder Strategie? Das Migrations-Paradox – im Rahmen dieses Vortrags von Gunther Hirschfelder erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt – klärt auf!

25.8., 15 Uhr: Nord und Süd. Ost und West.
Von Nordeuropa nach Südeuropa, von Osten bis weit in den Westen, um die regionalen Spezialitäten zu vergleichen – an diesem Sonntag können Besucher im MEK samische, sardische, georgische und peruanische Spezialitäten verkosten und vergleichen. Dazu gibt es Informationen und Musik von Nils Torbjörn aus Sápmi und Tinatin Tsereteli aus Georgien. Begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich unter 83 01 429 (Eintritt: ca. € 20,-).

27.8., 18 Uhr: Film im MEK: Chocolat (Lasse Hallström, USA/GB, 2001)
In einem verschlafenen Städtchen in Frankreich im Jahr 1959. Der ewig gleiche Alltag wird nur durch den unerwarteten Einzug der geheimnisvoll schönen, jungen Vianne und ihrer Tochter in die Stadt unterbrochen. Vianne eröffnet eine Chocolaterie, und das auch noch mitten in der Fastenzeit. Ein wahrlich sinnliches Vergnügen beginnt – trotz Widerständen und Intrigen. Im Anschluss Gespräch mit Georgia, der Inhaberin der ersten veganen Patisserie in Berlin.

29.8., 16.30 Uhr: Lesung: „Der letzte Caffè“ (2018) von und mit Carsten Sebastian Henn
In Triest soll es den besten Espresso von ganz Italien geben. Eines Morgens wird einer der besten Baristas der Stadt tot aufgefunden, vier andere sind verschwunden. Professor Bietigheim soll helfen… Ab 16.30 Uhr Verkostung von Kaffeespezialitäten von kultur im „KAFFEE!“. Ab 18 Uhr Lesung mit Carsten Sebastian Henn aus seinem kulinarischen Krimi „Der letzte Caffè“.

1.9., 14 Uhr: Finissage: Genuss-Sonntag im Museumsgarten
Kaffee-Führung und Verkostung, Verkauf und Verkostung apulischer, sardischer, georgischer, friesischer und thessalonischer Spezialitäten, Wein und Kaffee sowie der musikalischen Rezitation „Il Pane della Puglia“ des apulischen Ensembles „Rione Junno“. In Minisprachkursen können Sie die notwendigen Sätze und Vokabeln für den kulinarischen Genuss in Griechenland, Italien, Schweden und Georgien erlernen. Abschlusskonzert ab 18 Uhr von „Rione Junno“.


Weitere Informationen finden Sie hier. Programm bitte vor Besuch prüfen.

Veranstaltungsdaten:
01.08.2019 - 01.09.2019

Arnimallee 25
14159 Berlin [ Zehlendorf ]

Telefon

  • (030) 2 66 42 68 02

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U Dah­lem­-Dorf
Bus: M11, X83

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