Irene Roberts als antiromantische Carmen in Ole Anders Tandbergs Inszenierung. Foto: © Marcus Lieberenz/bildbuehne.de

„Carmen“ in Ole Anders Tandbergs Inszenierung

Ab dem 6.1. in der Deutschen Oper

Mit „Carmen“ schuf Georges Bizet einen der größten Bühnenerfolge der Operngeschichte – sowie eine Kampfansage an die romantische Oper: Mit ihrem Freiheitsbedürfnis und starken Willen verkörpert die Titelheldin das Gegenbild zu den passiven Frauenfiguren, die zuvor die Opernbühne bevölkert hatten. Doch antiromantisch ist „Carmen“ noch in einem weiteren Sinn: Die Oper zeigt eine Welt, in der Liebe als zwischenmenschliches Gefühl keinen Platz mehr hat und durch Sex und Gewalt abgelöst wurde.

Georges Bizets erfolgreicher Opernklassiker

Carmen und der Torero Escamillo verkörpern Repräsentanten einer Gesellschaft, in der nur das Recht des Stärkeren zählt – eine Welt, in der Don José mit seinem bürgerlichen Ideal von Liebe ein Fremdling bleibt und scheitert. Mit dieser illusionslosen Perspektive auf die Trostlosigkeit der menschlichen Existenz steht Bizet in unmittelbarer Nähe zu den Romanen eines Émile Zola. Entgegen dem Klischeebild vieler Aufführungen ist Bizets Spanien ein Ort, der die Hässlichkeit der Armut in hellem Licht zeigt. Nach seinem erfolgreichen Regiedebüt an der Deutschen Oper mit Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ 2015 brachte der norwegische Regisseur Ole Anders Tandberg im Januar 2018 Georges Bizets Meisterwerk in der Bismarckstraße ausdrucksstark auf die Bühne und macht die elementaren Triebkräfte in dieser Oper nach einer Novelle von Prosper Mérimée spürbar. Ab 6.1. ist die Inszenierung mit der US-amerikanischen Mezzosopranistin Irene Roberts in der Titelrolle zu erleben.

Eine selbstbewusste, stolze Carmen

„Carmen“, als „Opéra comique“ annonciert, ist ein Drama aus Leidenschaft und Tod, Liebe, Sehnsüchten und Idealen, gekleidet ins Kolorit des Stierkampfes. Ole Anders Tandberg hat dafür starke, intensive Bilder geschaffen: mit einer selbstbewussten, stolzen Titelheldin in knallrotem Rüschenkleid, Escamillo (Samuel Dale Johnson) in prachtvollem, goldfarbenem Torero-Outfit, Don José (Migran Agadzhanyan) in graumäusigem Soldaten-Dress und einem blutroten Fleischberg samt Tierkopf (offenbar eines getöteten Stiers), der in der ersten Szene auf das tragische Geschehen hinweist. Erlend Birkeland (Bühne) und Maria Geber (Kostüme) haben die Ausstattung für die symbolträchtige Inszenierung geschaffen. In weiteren Rollen sind Amber Fasquelle als Mercédès, Meechot Marrero als Frasquita sowie Heidi Stober als Micaëla zu sehen. Bizets wunderbare Musik, die von lyrischen Momenten bis zu wuchtiger Dramatik reicht, entfaltet sich hier unter dem Dirigat von Stephan Zilias in voller Größe.


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Veranstaltungsdaten:
06.01.2019 - 22.06.2019

Bismarckstraße 35
10627 Berlin [ Charlottenburg ]

Telefon

  • (030) 343 84 343

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