Taraneh Hemami, Hall of Reflections (2000-2012), © AG Galerie / Taraneh Hemami

Capturing Iran’s Past. Fotokunst – Photo Art

Ausstellung bis 26.1.2020 im Pergamonmuseum

Die vier im Iran geborenen FotokünstlerInnen Shadi Ghadirian, Taraneh Hemami, Najaf Shokri und Arman Stepanian setzen sich in ihren Arbeiten aus unterschiedlichen Perspektiven mit der historischen Bedingtheit der iranischen Moderne auseinander. Die Sonderausstellung im Buchkunstkabinett und im Mschatta-Saal des Pergamonmuseums inszeniert anhand von vier Fotoserien und einer Spiegelinstallation die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, um aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen zu reflektieren und im Heute zu verorten.

Die Arbeiten von Shadi Ghadirian, Taraneh Hemami, Najaf Shokri und Arman Stepanian nutzen die Vergangenheit als Kontrastfolie, um sie auf mehreren Ebenen in Metaphern und Allegorien zu hinterfragen und Aussagen über die (iranische) Gegenwart zu treffen. Dabei verwenden die KünstlerInnen verschiedene visuelle Strategien und nehmen Bezug auf diverse Vergangenheiten. Der zeitliche Horizont erstreckt sich vom Beginn der Fotografie in Iran 1842 bis zum Iran-Irak Krieg (1980-88).

Shadi Ghadirian reinszeniert in „Qajar“ (1998) Studioporträts aus der Kadscharenzeit (1779-1925) und fügt diesen ein zeitgenössisches Element hinzu. Durch die Kombination aus Spuren der Vergangenheit und der Gegenwart verweist sie auf Traditionen, die Auswirkungen auf das heutige Leben haben. In der Serie „Nil Nil“ (2008) inszeniert sie scheinbar idyllische Innenräume, in denen sich jedoch versteckte Kriegsobjekte befinden. Dabei erzählt Ghadirian von den Traumata, die, obwohl der Iran-Irak Krieg 1988 endete, in den Psychen von jenen Personen, die den Krieg erlebt haben, bis heute fortwirken.

Arman Stepanian platziert in „Gravestones“ (1999/2000) und „Doorbells“ (2004) Gruppen- und Einzelporträts aus der Kadscharen- und Pahlavizeit (1925-1979) in zeitgenössische Szenerien. Dies könnte als Erinnerung daran, dass die Bedingungen unserer gegenwärtigen Situation von unseren Vorfahren geformt wurden, interpretiert werden.

Najaf Shokri scannt in „Irandokht“ (2006) und „The Registration Congre-gation of Iranian Men“ (2006-12) Passfotos iranischer Identitätsdokumente aus der Pahlavizeit. Die Aneignung von fotografischen objets trouvés stellt eine Reflexion der individuellen und kollektiven Identität, deren Ursprünge in der Vergangenheit liegen, dar.

Taraneh Hemami verarbeitet in „Hall of Reflections“ (2000-12) Fotografien und Briefe von Personen, die aus Iran in die USA migriert sind, zu Spiegelassemblagen. Diese verweisen auf den durch die Migration entstandenen Schmerz der Nichtzugehörigkeit sowie das Vermissen eines Ortes, der nun der Vergangenheit angehört.

Indem die fotografischen Arbeiten auf unterschiedliche Weise die identitätsstiftende Funktion von Vergangenheit evozieren, laden sie dazu ein, die historische Bedingtheit der eigenen familiären, sozialen, kulturellen und nationalen Identitäten zu hinterfragen. Die Ausstellung zeigt ausgewählte Arbeiten, die mit historischen Objekten aus der Sammlung des Museums für Islamische Kunst in Dialog treten.


Weitere Informationen finden Sie hier.

Veranstaltungsdaten:
07.11.2019 - 26.01.2020

Bodestraße 1-3
10178 Berlin [ Mitte ]

Telefon

  • (030) 2 66 42 42 42

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Beschreibung

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Tram: M1, 12
Bus: 100, 200

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