„Infinite Energy, Finite Time“, 2019 - eine Installation der Künstlerin Caline Aoun. © Caline Aoun, Foto: Mathias Schormann (Ausschnitt)

Caline Aoun: „seeing is believing“

Artist of the Year bis 2.3. im PalaisPopulaire

Ganz selbstverständlich nutzen wir Google Maps, besuchen Dating-Plattformen oder speichern unsere Bilder in einer Cloud: Der Übergang vom analogen zum digitalen Zeitalter hat unsere persönlichen, ökonomischen und politischen Beziehungen radikal verändert. Der globale Datenfluss prägt nicht nur unsere unmittelbare physische Umgebung, sondern ganze Gesellschaftssysteme. Dennoch bleibt die Zirkulation und Verarbeitung dieser Daten für uns immateriell und abstrakt, nicht verknüpfbar mit unserer eigenen Lebenswirklichkeit.

Als „Artist of the Year“ der Deutschen Bank zeigt Caline Aoun in reduzierten Versuchsanordnungen, wie sich Daten materiell manifestieren, wie untrennbar reale und virtuelle Welt tatsächlich miteinander verbunden sind. Für Aoun gleicht die permanente Bilder- und Datenflut einem „Lärm“, der unser gesamtes Leben dominiert. Anstatt diesen medialen Lärm weiter zu verstärken, konzentriert sie ihn und gibt ihm eine materielle Dimension. Dies bezeichnet sie als einen Weg, „neue Erfahrungen, Formen von Stille, Leerstellen“ zu erzeugen, eine ästhetische Umgebung zu schaffen, die es ermöglicht, sonst kaum greifbare Zusammenhänge sinnlich zu erfassen und zu überdenken.

Die vier reduzierten Brunnen von „Infinite Energy, Finite Time“ sind die zentrale Installation der Ausstellung. Aus jedem sprudelt eine Farbe, die im CMYK-Farbmodell eingesetzt wird: Cyan, Magenta, Yellow und Key (schwarz). Die Brunnen sind durch ein System durchsichtiger Schläuche miteinander verbunden und tauschen sich in kaum wahrnehmbarem Tempo aus. Zu Beginn der Ausstellung sprudeln noch reine Farben aus den Düsen, im Laufe der Zeit zerfließen sie aber zu einer trüben Brühe, die gerinnt, die Düsen verklebt und schließlich ganz eintrocknet und den Kreislauf unterbricht. Hier geht es um extremen Mangel und exzessiven Überfluss, Zirkulation und Anstauung.

„Meine Werke mögen ziemlich abstrakt sein“, sagt Aoun, „doch zugleich ähneln sie etwas sehr Realem“. Ihre Ausstellung erzählt vom Zusammenbruch, von der Überforderung von Systemen. Sie hat dabei eine klare Botschaft: dass der Lärm aufhören muss, dass wir Raum für Kontemplation brauchen, um neue Systeme und zu uns selbst zu finden.

Die Ausstellung im PalaisPopulaire ist die erste große Einzelpräsentation der libanesischen Künstlerin in Deutschland.


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Veranstaltungsdaten:
15.11.2019 - 02.03.2020

Unter den Linden 5
10117 Berlin [ Mitte ]

Telefon

  • (030) 20 20 93-0

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Beschreibung

Busse: TXL, 100, 200