Fotos: Georg Preuße: DERDEHMEL; Barbara Wussow: Sepp Gallauer Fotos: Georg Preuße: DERDEHMEL; Barbara Wussow: Sepp Gallauer

28. Jedermann-Festspiele

im Berliner Dom

Die Jedermann-Festspiele sind in der Hauptstadt zu einer beliebten Institution und Bereicherung des kulturellen Lebens geworden. Am 16. Oktober feiert Hofmannsthals Stück in der prachtvollen Kulisse des Berliner Doms Premiere – mit Georg Preuße in der Titelrolle und Barbara Wussow als Buhlschaft. Die Regie führt Brigitte Grothum. Ihrer unermüdlichen Initiative ist es zu verdanken, dass das Stück seit 1987 in Berlin aufgeführt wird – ohne Subventionen, unterstützt von Sponsoren und Zuschauern.

Vor 27 Jahren brachte Brigitte Grothum das Schauspiel zum ersten Mal in der Kirche am Südstern in Kreuzberg heraus, ab 1988 führte sie es in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche auf. Seit 1993 wurde der Berliner Dom jedes Jahr im Herbst zur Spielstätte der Produktion. Die Regisseurin entspricht damit der Idee Max Reinhardts, der Hofmannsthals Stück 1911 in Berlin uraufführte und es 1920 erstmals in der sakralen Kulisse vor dem Salzburger Dom in Szene setzte, wo es, auch nach Meinung des Autors, den idealen Platz gefunden hatte. Nun wird das ehemalige Mysterienspiel wieder an dem Ort gezeigt, an dem es seinen Ursprung hatte: in der Kirche. ‘Jedermann’ erzählt eine alte Parabel, die auch heute noch Bestand hat: die Geschichte vom selbstsüchtigen, reichen Mann, der im Augenblick des Todes von allen verlassen wird und die absolute Wertlosigkeit seiner Besitztümer erkennt. Jedermann muss bittere Rechenschaft über sich ablegen, und er bereut, nichts rückgängig machen zu können.

Schon die Uraufführung im Zirkus Schumann – nicht weit entfernt von der Friedrichstraße – wartete mit einer brillanten Besetzung auf: mit Alexander Moissi, Paul Wegener, Fritz Kortner, Gertrud Eysoldt und anderen Berühmtheiten. Bis heute gilt die Darstellung der Titelrolle in der Theaterwelt als Ehre, die nur namhaften Schauspielern zuteil wird. Auch die Besetzung der weiteren Rollen ist traditionell erstklassig und wird von den Zuschauern mit Spannung erwartet. Brigitte Grothum ist in all den Jahren von einem treuen Stamm populärer Künstler unterstützt worden wie Horst Pinnow, Herbert Köfer oder ihrer Tochter Debora Weigert. Von rund 1.000 Schauspielern, die im ‘Jedermann’ bereits mitgewirkt haben, gab es zahlreiche, die die Titelrolle mehrmals verkörperten wie Georg Preuße, der für seine beeindruckende Darstellung 2003 mit dem ‘Goldenen Vorhang’ ausgezeichnet wurde. Auch Barbara Wussow begeisterte schon zweimal als die Verführerin. Peter Sattmann ist wieder in seiner Glanzrolle als schauriger Teufel zu sehen, Ilja Richter als Mammon, Achim Wolff als der Tod und Ursula Karusseit in der Rolle von Jedermanns Mutter. Brigitte Grothum wird wie in allen Jahren wieder als der Glaube auf der Bühne stehen. Für sie hat das Stück seit seiner Uraufführung vor mehr als einem Jahrhundert nichts von seiner Aktualität eingebüßt.

Hofmannsthal strebte mehr an als nur bloße Erbauung: In einer Zeit des scheinbar selbstverständlichen Wohlstands spürte der Dichter die Fragwürdigkeit und Bedrohungen des Bestehenden. Besonders in der Figur des Mammon wird Kritik an der Gesellschaft und am Kapitalismus deutlich. Gerade in heutiger Zeit spüren wir ganz deutlich die Aktualität der Botschaft. Hofmannsthal schuf eine über den Konfessionen stehende Interpretation, in der die mittelalterlichen Züge der ursprünglichen Parabel in den Hintergrund rücken und so das Allgemeinmenschliche in den Vordergrund tritt. Jedermann wird schuldig, weil er nicht bereit ist, eine höhere Ordnung anzuerkennen. Nur der Glaube kann ihn retten. Die Musik von J.S. Bach übernimmt ein sehr entscheidendes dramaturgisches Element. Sie soll das Erleben der Offenbarung und Wandlung Jedermanns als mystischen Vorgang sichtbar machen und somit die spirituelle Aussage unterstreichen.

28. Jedermann-Festspiele, 15.10. (Generalprobe) bis 26.10., Mo.-Do. 20, Fr.-So. 15 und 20 Uhr. Karten: Tel. 47 99 74 19 und Tel. 0 18 06-999 00 00 sowie in unserem Ticketshop.

Veranstaltungsdaten:
15.10.2014 - 26.10.2014

Am Lustgarten 1
10178 Berlin [ Mitte ]

Telefon

  • 030 2 02 69-136

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Beschreibung

S Hackescher Markt
Tram: M4, M6
Bus: M48, 100, 200

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