Virtuelle Rekonstruktion der Treppenhalle des Neuen Museums um 1920; Foto: © Architectura Virtualis

10 Jahre Neues Museum: Perspektivenwechsel

Sonderpräsentation zum Jubiläum bis 26. Januar 2020

Im Oktober jährte sich die Wiedereröffnung des Neuen Museums, dessen Restaurierung und Wiederaufbau 2009 unter der Leitung des Architekten David Chipperfield fertiggestellt wurde, zum zehnten Mal. Zur Feier des Jubiläums können das Neue Museum, seine Sammlungen und Objekte durch zwei Sonderpräsentationen neu entdeckt und erkundet werden: Eine Lichtinstallation im Griechischen Hof verknüpft die Highlights des Hauses von Nofretete bis Goldhut mit spannenden Hintergrundgeschichten, während in der Treppenhalle Besucher mit VR-Brillen auf eine virtuelle historische Zeitreise gehen können.

Das Neue Museum wurde von 1843 bis 1855 im Auftrag von König Friedrich Wilhelm IV. durch Friedrich August Stüler erbaut. Es sollte Ausstellungsfläche bieten für das Ägyptische Museum, das Museum vaterländischer Altertümer (Vor- und Frühgeschichte), die Ethnographische Sammlung, die Gipsabgüsse antiker, mittelalterlicher und moderner Skulpturen, die kunstgewerblichen Sammlungen der Kunstkammer und das Kupferstichkabinett. Dem Bildungsauftrag folgend wurde die Kulturgeschichte der Menschheit von den Anfängen bis ins 19. Jahrhundert anschaulich vermittelt. Diesem Zwecke kam Stüler nicht allein durch die Aufteilung und Konstruktion des Baus selbst nach, sondern auch durch die flächendeckende Ausstattung und Ausschmückung der Räume, welche ikonographisch an die jeweiligen Sammlungsbestände anknüpften. Seit der Wiedereröffnung am 16. Oktober 2009 beherbergt das Neue Museum die Sammlungen des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung, des Museums für Vor- und Frühgeschichte sowie Teile der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin.

Nachdem die Sammlungen bereits 1939 ausgelagert worden waren, wurde das Neue Museum bei Bombardierungen 1943 stark beschädigt, die Treppenhalle brannte vollständig aus. Während der DDR-Zeit war das Neue Museum eine Ruine, in der Treppenhalle wuchsen Bäume. Seit den späten 1980er-Jahren begannen die Planungen zum Wiederaufbau, die in der Nachwendezeit mit neuem Konzept vorangetrieben und schließlich in den Jahren 2003 bis 2009 im Sinne einer ergänzenden Wiederherstellung nach Entwürfen des britischen Architekten David Chipperfield umgesetzt wurden. Seit seiner Wiedereröffnung fasziniert das Haus die Besucher sowohl durch seine Architektur als auch durch die ausgestellten Sammlungen. Erst kürzlich wurde das Haus vom „Guardian“ unter den besten Architekturbauten des 21. Jahrhunderts auf Rang 3 gewählt.

Anlässlich des Jubiläums entsteht im Griechischen Hof ein Ensemble aus Stelen und Podesten, das mit reflektierenden und lichtbrechenden Oberflächen beeindruckende Lichtspiele erzeugt und Bezüge zu Highlights der Sammlungen des gesamten Hauses herstellt. „Schatzkarten“ informieren die Besucher über spannende Details zu 160 Exponaten, stellen anhand ungewöhnlicher Themen überraschende Zusammenhänge zwischen den Objekten her und laden zu Exkursionen in das ganze Haus ein. Die Installation hinterfragt traditionelle Ausstellungs- und Vermittlungskonzepte und eröffnet neue Raumideen.

In der Treppenhalle des Neuen Museums sind über VR-Brillen zwei 360°-Filme über den Zustand der Treppenhalle um 1920 sowie den monumentalen, im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstörten Bilderzyklus zu sehen, der ehemals deren Wände schmückte. Als zentraler Raum des Museums war die Treppenhalle in ihrer ursprünglichen Konzeption äußerst komplex und hochgradig symbolisch ausgestattet; jede der Wandseiten war in ihrer kompletten Länge und in rund acht Metern Höhe bemalt. Insgesamt sechs Werke des Künstlers Wilhelm von Kaulbach zeigten das Weltbild des 19. Jahrhunderts und die Grundgedanken des Museums: die Präsentation und den Erhalt der Kulturgeschichte. Die virtuelle Rekonstruktion erfolgte in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt, Architectura Virtualis und ZDFdigital auf Basis von historischem Bildmaterial.

Die Anmeldung zu dem VR-Erlebnis erfolgt über ein vor Ort kostenfrei buchbares Zeitfenster von 20 Minuten, in denen beide der jeweils ca. sechsminütigen Filme gezeigt werden. Zu Beginn und zum Ende der Filme haben die Besucher die Gelegenheit, sich im virtuell rekonstruierten Raum umzusehen. Ihnen bietet sich so eine digitale Zeitreise in die Architektur und das Denken des 19. Jahrhunderts, in dem das Neue Museum konzipiert und erbaut wurde.


Weitere Informationen finden Sie hier.

Veranstaltungsdaten:
12.10.2019 - 26.01.2020

Bodestraße 1-3
10178 Berlin

Telefon

  • 030 2 66 42 42 42 (Auskunft)

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