Der estnische Bass Ain Anger verkörpert in der Premiere von Modest Mussorgskijs ‘Boris Godunow’ die Titelpartie; © ROH, Foto: Catherine Ashmore

Boris Godunow

Verstrickungen und Ränkespiele im Russland der Frühen Neuzeit

Politische Prozesse mit ihrer ganz eigenen Dynamik stehen im Fokus von Modest Mussorgskijs einziger vollendeter und 1874 uraufgeführter Oper Boris Godunow. In der Inszenierung des englischen Regisseurs Richard Jones hat das Werk nun Premiere – in der Titelrolle: Bass Ain Anger. Modest Mussorgskij schuf mit der Partie des russischen Zaren Boris Godunow eine der imposantesten Opernfiguren überhaupt. Es ist einerseits das Porträt eines klugen Herrschers und gütigen Familienvaters, der es mit geschickter Heirat und Regierungsarbeit – aber auch mittels der grausamen Bluttat eines Kindermordes – auf den Thron gebracht hat. Andererseits wird das Scheitern dieses Herrschers gezeigt, der, von äußeren Feinden bedrängt, schließlich an seiner inneren Gewissensnot zerbricht.

Boris ist hier kein autonomes Individuum, das aktiv das politische Geschehen lenkt und an seinen tragischen Verstrickungen letztlich heroisch scheitert. Er ist Zwängen politischer Prozesse unterworfen, die er nur wenig mehr zu beeinflussen vermag als sein Volk, das von Mussorgskij – als eine Art zweiter Protagonist – in eindrucksvollen Chorszenen auf die Bühne gebracht wird. Das Volk erscheint in seinem Leid unter der absolutistischen Macht als ein rasender Mob, als anonyme, quasi unbewusst handelnde Masse, aus welcher immer wieder einzelne Figuren herausgelöst werden und ein eigenes Gesicht erhalten. Damit zeichnet der Komponist ein differenziertes Bild von Macht und Ohnmacht individuellen Handelns.


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Veranstaltungsdaten:
17.06.2017 - 07.07.2017

Bismarckstraße 35
10627 Berlin [ Charlottenburg ]

Telefon

  • (030) 343 84 343

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